Der Werbetest ist bestätigt, das visuelle Format nicht
OpenAI testet Werbung in ChatGPT. Das Unternehmen hat die Initiative als Möglichkeit vorgestellt, den Zugang zum Dienst zu unterstützen, und allgemeine Grundsätze für Werbung beschrieben. Dazu gehört, dass Anzeigen klar erkennbar sein und die Antworten des Assistenten nicht beeinflussen sollen. Diese Ankündigung bestätigt, dass Werbetests laufen. Sie belegt jedoch nicht automatisch jedes Format und jeden möglichen Platz, an dem Werbung dabei erscheinen könnte.
Die konkretere Neuerung, über die berichtet wurde, betrifft die Bilderstellung: Visuelle Anzeigen sollen demnach während des Prozesses auftauchen, in dem ChatGPT ein Bild erzeugt. Manche Beschreibungen stellen sie als vom Ergebnis getrennte Elemente dar, die als Werbung gekennzeichnet sind. Die verfügbaren offiziellen Informationen über Anzeigen in ChatGPT bestätigen diese konkrete Einbindung allerdings nicht. Bislang sollte man das Format daher als vorläufige Information behandeln – nicht als offiziell angekündigte Funktion, deren Einzelheiten feststehen.
Diese Unterscheidung ist wichtig. Dass ChatGPT Werbung testet, ist durch OpenAI bestätigt. Dass eine Werbeanzeige neben einem generierten Bild, auf einem Zwischenbildschirm oder nach Abschluss der Erstellung erscheint, sind dagegen jeweils eigene Behauptungen. Anhand der verfügbaren Informationen lässt sich nicht zuverlässig feststellen, welches dieser Nutzungsszenarien getestet werden soll.
Wo die Anzeige erscheinen könnte – und warum der genaue Ort offenbleibt
Die verbreitete Beschreibung verortet die Anzeige im Ablauf der Bilderstellung. Diese Formulierung reicht jedoch nicht aus, um die konkrete Nutzungserfahrung zu bestimmen. Gemeint sein könnte ein Element, das während der Verarbeitung sichtbar ist, ein Anzeigenmodul auf einem Wartebildschirm oder ein Platz, der erst erscheint, nachdem das Bild fertiggestellt wurde. Keine der vorliegenden Primärinformationen klärt, welches Szenario zutrifft.
Auch Häufigkeit, Größe und Dauer der Anzeigen sind nicht bekannt. Ebenso wenig steht fest, ob sie bei jeder Bildanfrage zu sehen wären. Daraus lässt sich weder schließen, dass Werbung in das Bild eingebaut wird, noch dass sie das Ergebnis verändert oder immer daneben erscheint. Entscheidend ist zunächst, ob die Anzeige als eigenständiges Element dargestellt würde – und an welcher Stelle der Benutzeroberfläche.
Für Nutzerinnen und Nutzer ist dieser Unterschied erheblich. Eine Anzeige auf einem Wartebildschirm konkurriert um Aufmerksamkeit, während eine Anfrage verarbeitet wird. Eine Anzeige neben dem fertigen Bild könnte, wenn sie nicht klar abgegrenzt ist, als Teil der Bilderstellung missverstanden werden. Eine in das Bild integrierte Werbebotschaft hätte wiederum andere Folgen. Keines dieser Szenarien sollte als bestätigt gelten, solange keine präzisere Produktbeschreibung vorliegt.
Was der Zeitpunkt der Einblendung verändern würde
Die möglichen Szenarien zeigen, welche Einzelheiten noch fehlen. Sie beschreiben keine bestätigte Benutzeroberfläche.
| Möglicher Ort | Was die Person sehen würde | Was noch geklärt werden muss |
|---|---|---|
| Während der Wartezeit | Ein separates Element, während die Anfrage verarbeitet wird | Wie lange es sichtbar ist, wie häufig es erscheint und ob es sich ausblenden lässt |
| Neben dem Ergebnis | Werbung in der Nähe des bereits erzeugten Bildes | Wie sie visuell gekennzeichnet wird und ob sie denselben Bildschirm oder Bereich nutzt |
| Im Bild selbst | Ein Element, das mit generiertem Inhalt verwechselt werden könnte | Es gibt keine Bestätigung, dass OpenAI dieses Format einsetzen wird |
Möglicher Start in den USA: ein Hinweis, aber noch kein vollständiger Verfügbarkeitsplan
Die verbreiteten Informationen zum Test verorten dessen Beginn in den USA. Die verfügbaren offiziellen Angaben zur Werbung in ChatGPT bestätigen jedoch weder, dass das visuelle Format rund um die Bilderstellung auf dieses Land beschränkt sein wird, noch nennen sie einen Zeitplan für die Einführung. Die geografische Reichweite ist daher als vorläufige Angabe zu verstehen und nicht als bereits festgelegte Verfügbarkeit für alle Nutzerinnen und Nutzer in diesem Markt.
Im Zusammenhang mit den Werbetests in ChatGPT wurden außerdem der kostenlose Tarif und Go genannt. Das gibt einen Anhaltspunkt dafür, wer im Dienst möglicherweise Werbung sehen könnte. Es belegt aber weder, dass alle Tarife dasselbe visuelle Anzeigenformat erhalten, noch dass der Bilderstellungstest für jedes Konto in diesen Tarifstufen gilt.
Es gibt keine ausreichende Grundlage, um anzugeben, wann ein Test mit visueller Werbung beginnen würde, wie lange er dauern oder welcher Anteil der Nutzer daran teilnehmen könnte. Auch eine mögliche Ausweitung auf weitere Länder ist nicht geklärt. Dass OpenAI allgemeine Werbetests durchführt, bedeutet außerdem nicht, dass das konkrete Format bei der Bilderstellung bereits öffentlich verfügbar ist.
Wie sich Werbung von generierten Inhalten unterscheiden ließe
OpenAI hat für seine Anzeigen in ChatGPT den Grundsatz einer klaren Kennzeichnung beschrieben. Das ist ein wichtiger Maßstab, wenn künftige Formate bewertet werden sollen. Es ist jedoch keine konkrete Designspezifikation für visuelle Anzeigen während der Bilderstellung. Unbekannt sind der Wortlaut der Kennzeichnung, ihre Position und Größe sowie die visuellen Mittel, mit denen sie von einem vom System erzeugten Bild getrennt würde.
In der Praxis könnte eine gut lesbare Kennzeichnung direkt an der Anzeige helfen, Missverständnisse zu vermeiden. Wichtig wäre auch, dass das Werbeelement von der Bilddatei und den Funktionen zum Bearbeiten oder Herunterladen getrennt bleibt. Das sind Kriterien, anhand derer sich ein später vorgestelltes Design beurteilen ließe. Sie sind aber keine bereits bestätigten Merkmale des Tests. Ohne einen Screenshot oder eine offizielle Produktbeschreibung lässt sich nicht überprüfen, wie diese Trennung aussehen würde.
Dazu kommt die Frage, was überhaupt als Anzeige gilt. Eine kommerzielle Empfehlung in einer Antwort, ein gesponserter Bereich und ein Bild, das auf Anfrage einer Person erzeugt wird, sind unterschiedliche Dinge. Eine künftige Benutzeroberfläche sollte erkennen lassen, welches Element Werbung ist und welches zum angeforderten Ergebnis gehört. Wie das in diesem konkreten Fall umgesetzt würde, ist öffentlich nicht näher beschrieben.
Eine kurze Orientierung für Nutzerinnen und Nutzer
Das sind praktische Prüfkriterien und keine Beschreibung von Funktionen, die im visuellen Test bereits verfügbar wären.
- 01Achte auf eine ausdrückliche Kennzeichnung als Werbung – ein Markenname oder Logo allein muss dafür nicht ausreichen.
- 02Prüfe, ob die Anzeige vom generierten Bild und von den Bearbeitungsoptionen getrennt ist.
- 03Deute ein Produkt oder eine Marke im Bild nicht ohne klare Hinweise als Werbung.
- 04Falls es Einstellungen zum Ausblenden oder Verwalten von Anzeigen gibt, prüfe, was sie bewirken und welche Präferenzen sich damit ändern lassen.
Messung, Personalisierung und Nutzerkontrollen: offene Fragen
Die offiziellen Hilfeseiten und Werberichtlinien von OpenAI behandeln allgemeine Aspekte der Anzeigen in ChatGPT, darunter die Teilnahmeberechtigung, Personalisierung, Datenschutz und Nutzerkontrollen. Diese Informationen helfen dabei, den allgemeinen Rahmen der Werbung im Dienst zu verstehen. Sie bestätigen aber nicht, welche Daten für die Auswahl von Anzeigen neben generierten Bildern genutzt würden, welche Signale ausgeschlossen wären oder welche konkreten Optionen Nutzerinnen und Nutzern in dieser Erfahrung zur Verfügung stünden.
Auch die Messung ist ungeklärt. Es wurde nicht erläutert, wie Impressionen oder Interaktionen bei einem Format gezählt würden, das an eine Bildgenerierung gekoppelt ist. Ebenso ist offen, ob es dafür Mess- oder Zuordnungswerkzeuge für Werbetreibende geben würde. Es gibt zudem nicht genug Informationen, um zu behaupten, dass solche Werkzeuge für das beschriebene Format bereits verfügbar wären. Aus allgemeinen Werberichtlinien lässt sich nicht automatisch ableiten, wie ein bestimmter Test erfasst wird.
Bevor sich die tatsächlichen Auswirkungen bewerten lassen, fehlen Antworten zur genauen Platzierung, Kennzeichnung und Abgrenzung vom Ergebnis. Offen sind außerdem die Auswahlkriterien, die verwendeten Daten, die Nutzerkontrollen und die Messung. Bis OpenAI diese Einzelheiten veröffentlicht oder sich die Funktion direkt überprüfen lässt, ist nur eine begrenzte Schlussfolgerung belastbar: Das Unternehmen hat Werbetests in ChatGPT bestätigt; für visuelle Anzeigen während der Bilderstellung liegt bislang keine ausreichende offizielle Bestätigung vor.
Offene Fragen
- Es liegt keine offizielle Bestätigung zur genauen Platzierung der Anzeige im Ablauf der Bilderstellung vor.
- Nicht verifiziert ist, wie Werbung visuell gekennzeichnet und vom generierten Bild getrennt würde.
- Die Hinweise auf die USA und bestimmte Tarife legen weder die vollständige Reichweite des visuellen Tests noch dessen Zeitplan fest.
- Für dieses Format sind weder die zur Personalisierung verwendeten Daten noch konkrete Nutzerkontrollen oder Methoden zur Messung und Zuordnung näher beschrieben.
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